Kommunikation in der Krisenvorsorge wird oft unterschätzt – bis das Mobilfunknetz zusammenbricht. Bei einem großflächigen Blackout oder einer Katastrophe sind Mobilfunkmasten häufig die ersten Infrastrukturkomponenten, die ausgelastet oder ausgeschaltet sind. Wer dann weder Informationen empfangen noch Kontakt zu Familie und Freunden aufnehmen kann, verliert schnell den Überblick und die Handlungsfähigkeit. Eine durchdachte Kommunikationsstrategie umfasst mehrere redundante Wege: Informationsempfang über Radio, Kurzstreckenkommunikation über Funk und vorher vereinbarte Treffpunkte und Verhaltensregeln für den Ernstfall. Dieser Beitrag gibt dir einen Überblick über alle relevanten Kommunikationsmittel und zeigt, wie du deine persönliche Notfallkommunikation aufbaust.
Warum das Smartphone im Ernstfall versagt
Smartphones sind auf Mobilfunknetz, Strom und Internetverbindung angewiesen. Bei einem Blackout fallen alle drei schnell aus. Mobilfunkmasten haben Notstromaggregate, aber nur für wenige Stunden. Danach sind sie stumm. Dazu kommt: Bei regionalen Katastrophen versuchen Tausende Menschen gleichzeitig zu telefonieren – das Netz bricht unter der Last zusammen, lange bevor der Strom ausgeht. Das Smartphone ist ein gutes Kommunikationsmittel für den Alltag, aber keine zuverlässige Notfalllösung.
Die drei Säulen der Notfallkommunikation
1. Informationsempfang: Radio
Ein batterie- oder kurbelbetriebenes Radio ist das wichtigste Informationsmedium im Krisenfall. Über UKW und Mittelwelle senden Rundfunkanstalten und Behörden auch bei Stromausfall Notfallmeldungen, Verhaltensempfehlungen und aktuelle Lageberichte. Das BBK empfiehlt ausdrücklich, ein batteriebetriebenes Radio bereitzuhalten. Mindestens eine Kurbellampe mit integriertem Radio oder ein separates Batterieradio gehören in jeden Notfallvorrat.
2. Kurzstreckenkommunikation: Funk
Für die Kommunikation innerhalb der Familie oder Nachbarschaft sind PMR-Walkie-Talkies die einfachste Lösung. Sie benötigen keine Lizenz, sind günstig und funktionieren völlig unabhängig vom Mobilfunknetz. Für größere Reichweiten und professionellere Anwendungen bieten sich CB-Funk oder Amateurfunk an. Letzterer erfordert eine Prüfung, bietet dafür aber weltweite Reichweite und Zugang zu organisierten Notfunknetzen.
3. Analoge Kommunikation: Vereinbarungen und Treffpunkte
Die zuverlässigste Kommunikation im Krisenfall ist die, die keine Technik benötigt. Vereinbare mit deiner Familie vorab feste Treffpunkte für verschiedene Szenarien: Wo trefft ihr euch, wenn ihr nicht nach Hause könnt? Wen kontaktiert ihr als erste Anlaufstelle? Welche Nachrichten hinterlässt ihr wo, wenn niemand erreichbar ist? Diese Absprachen kosten nichts und können im Ernstfall entscheidend sein.
Kommunikationsplan für den Notfall erstellen
Ein einfacher Kommunikationsplan auf Papier enthält alle wichtigen Informationen: Telefonnummern von Familienmitgliedern, Nachbarn und Notfallkontakten. Feste Treffpunkte in der Nähe und außerhalb der Wohnregion. Vereinbarte Verhaltensregeln (z.B. alle 6 Stunden versuchen anzurufen, Nachricht an Anlaufstelle hinterlassen). Dieser Plan gehört ausgedruckt in den Notfallrucksack und an einen festen Ort zu Hause.
Praktische Checkliste Notfallkommunikation
- Batterieradio oder Kurbelradio mit UKW-Empfang
- PMR-Walkie-Talkies für die Familie (mindestens zwei)
- Ausreichend Batterien für alle Geräte
- Kommunikationsplan auf Papier erstellen und verteilen
- Feste Treffpunkte und Verhaltensregeln vereinbaren
- Wichtige Telefonnummern ausgedruckt aufbewahren
- Powerstation für Smartphone-Notladung
Häufige Fragen zur Kommunikation in der Krisenvorsorge
Klassische analoge Festnetzanschlüsse funktionieren oft noch kurze Zeit, da sie über die Telefonleitung mit Strom versorgt werden. Moderne VoIP-Anschlüsse über Router fallen dagegen sofort aus, wenn der Router keinen Strom hat. Ein analoges Schnurtelefon – ohne DECT, ohne Display – kann im Notfall noch einige Zeit funktionieren.
In Deutschland sind die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (ARD, ZDF, Landesrundfunkanstalten) verpflichtet, Katastrophenwarnungen und Notfallmeldungen auszustrahlen. Zusätzlich gibt es den Digitalfunk BOS für Behörden. Für Verbraucher: das lokale UKW-Programm des jeweiligen Landessenders einschalten. Die Frequenzen der regionalen Sender vorab notieren und im Kommunikationsplan festhalten.
Die meisten Mobilfunkmasten haben Notstromversorgung für 2 bis 8 Stunden. Danach fallen sie schrittweise aus. In der Praxis bricht das Netz aber oft schon vorher zusammen – durch Überlastung, weil Millionen Menschen gleichzeitig telefonieren wollen. Plane nicht damit, dass das Mobilfunknetz nach mehr als 2 bis 4 Stunden noch verlässlich funktioniert.
NINA ist die offizielle Warn-App des BBK und liefert Katastrophenwarnungen aufs Smartphone. Sie ist sehr nützlich im Alltag und bei kurzfristigen Ereignissen. Bei einem längeren Blackout fällt sie aus, sobald Mobilfunknetz oder Smartphone-Akku nicht mehr verfügbar sind. Als erste Warnung sinnvoll, als Dauerkommunikationsmittel im Blackout nicht geeignet. Ersetze sie nicht durch ein Radio.
Einfach und konkret: Wo ist unser Treffpunkt, wenn ich nicht erreichbar bin? Wen rufst du an, wenn du mich nicht erreichst? Diese zwei Fragen vorab üben und die Antworten auf einer Karte einlaminieren, die das Kind immer dabei hat. Kinder ab 6 Jahren können sich solche Regeln gut merken – besonders wenn man sie gemeinsam übt.
