Hochwasser Krisenvorsorge ist in Deutschland relevanter denn je. Die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 hat gezeigt, wie schnell eine vermeintlich sichere Region überwältigt werden kann. Hochwasser ist dabei nicht nur ein Problem an großen Flüssen – Starkregenereignisse können überall und schnell zu Überschwemmungen führen. Wer in einer potenziell gefährdeten Region lebt, sollte konkrete Vorbereitungsmaßnahmen treffen. Wenn du dir auch über den allgemeinen Infrastrukturausfall Gedanken machst, der bei Hochwasser oft folgt, empfehlen wir unseren Beitrag zur Blackout-Vorsorge. Alles zur geordneten Evakuierung bei Hochwasser erklärt unser Beitrag zur Evakuierung im Krisenfall.
Das eigene Hochwasserrisiko einschätzen
Der erste Schritt ist eine nüchterne Risikoeinschätzung. In Deutschland bieten die Länder Hochwassergefahrenkarten an, die zeigen, welche Gebiete bei 10-, 100- oder 1.000-jährigen Hochwasserereignissen betroffen sind. Wichtig: Starkregenereignisse sind nicht in klassischen Hochwasserkarten erfasst.
Vorsorge am und im Gebäude
- Rückstauklappe im Keller installieren: verhindert, dass Abwasser aus der Kanalisation zurückdrückt
- Kellerfenster und -türen mit mobilen Hochwasserschutzwänden sichern
- Elektronik, Heizung und Sicherungskasten möglichst hoch montieren oder verlegen
- Wertgegenstände und Dokumente in höheren Stockwerken lagern
- Sanksäcke bereithalten oder wissen, wo sie schnell beschafft werden können
- Elementarschadenversicherung abschließen – nur sie deckt Hochwasserschäden ab
Notfallplan für den Hochwasserfall
Hochwasser kündigt sich oft an – diese Vorlaufzeit nutzen:
- Warnungen über NINA-App, Radio und offizielle Pegelstandsseiten beobachten
- Fahrzeuge auf höheres Gelände bringen
- Wertsachen, Dokumente und Notfallvorrat ins Obergeschoss bringen
- Strom, Gas und Wasser abstellen, bevor Wasser eindringt
- Fluchtrucksack packen und Evakuierungsrouten kennen
- Behördenanweisungen folgen – Evakuierungsanordnungen ernst nehmen
Während des Hochwassers
Niemals strömendes Hochwasser zu Fuß oder mit dem Auto durchqueren. Bereits 30 cm strömendes Wasser können einen Erwachsenen umreißen, 60 cm können ein Fahrzeug mitreißen. Im Haus bleiben und auf höheren Etagen warten, falls eine Evakuierung nicht möglich ist.
Nach dem Hochwasser
Hochwasserwasser ist kontaminiert – Schmutz, Abwasser, Chemikalien und Krankheitserreger. Schutzkleidung, Handschuhe und Masken beim Aufräumen tragen. Kein Leitungswasser trinken bis zur Freigabe durch die Behörden. Schäden fotografisch dokumentieren vor dem Aufräumen für die Versicherung.
Praktische Checkliste Hochwasser
- Hochwasserrisiko der eigenen Adresse prüfen
- Rückstauklappe installieren lassen
- Elementarschadenversicherung abschließen
- NINA-App installieren und Warnungen aktivieren
- Evakuierungsrouten und Treffpunkte festlegen
- Fluchtrucksack und Dokumente griffbereit
- Sanksäcke oder Hochwasserschutzwände beschaffen
Häufige Fragen zur Hochwasser Krisenvorsorge
Nicht unbedingt. Starkregenereignisse können überall zu Überschwemmungen führen, auch in Hügellagen. Wenn der Boden gesättigt ist oder die Kanalisation überlastet wird, läuft das Wasser oberflächlich ab und kann Keller und Straßen fluten.
Eine Rückstauklappe ist ein Ventil in der Abwasserleitung, das verhindert, dass bei überlasteter Kanalisation Abwasser in den Keller rückdrückt. Sie ist besonders wichtig für Kellerräume mit Ablaufrinnen, Toiletten oder Waschmaschinenanschlüssen.
Bei offizieller Evakuierungsanordnung sofort. Auch ohne Anordnung: wenn Wasser in die Wohnung eindringt oder Gefahr für Leib und Leben besteht. Frühzeitig evakuieren ist immer besser als zu spät – wer wartet, bis das Wasser kommt, hat möglicherweise keine Möglichkeit mehr zu fliehen.
Sehr schnell. Bei Starkregenereignissen in kleinen Einzugsgebieten kann der Pegel in weniger als einer Stunde um mehrere Meter steigen. Bei großen Flüssen wie Rhein oder Elbe gibt es meist mehrere Tage Vorlaufzeit.
Die NINA-App des BBK sendet amtliche Unwetter- und Hochwasserwarnungen aufs Smartphone. Pegelstands-Apps der Länder zeigen aktuelle Wasserpegel in Echtzeit. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sendet Unwetterwarnungen. Alle diese Quellen im Alltag einrichten und testen.