Routenplanung und Kartenmaterial im Krisenfall sind entscheidend, wenn GPS, Smartphone und Internet ausfallen. In einer Evakuierungssituation müssen Entscheidungen schnell getroffen werden: Welche Route ist sicher? Wo gibt es Versorgungspunkte? Wie komme ich zu meinem Treffpunkt, wenn die Hauptstraßen gesperrt sind? Wer sich vorher mit der eigenen Region vertraut gemacht hat, analoge Karten bereithält und alternative Routen kennt, behlt im Ernstfall den Kopf frei und die Orientierung. Dieser Beitrag zeigt, wie du deine Routenplanung für den Krisenfall aufbaust und warum analoges Kartenmaterial unverzichtbar ist.
Warum GPS und Smartphone im Krisenfall versagen
GPS-Geräte und Smartphone-Navigation hängen von mehreren Faktoren ab: Akkuladung, Mobilfunknetz (für Google Maps), Datencaches und dem Funktionieren der Infrastruktur. Bei einem Blackout sind Ladestationen rar. Bei einem Mobilfunknetzausfall ist Online-Navigation unmöglich. Karten, die offline auf dem Gerät gespeichert sind (z.B. Maps.me oder OsmAnd), funktionieren noch – aber auch hier braucht das Gerät Strom. Die einzige wirklich zuverlässige Lösung: analoge, gedruckte Karten.
Welche Karten brauche ich?
- Topografische Karte 1:50.000 der eigenen Region: zeigt Höhenlinien, Wege, Gewässer und Siedlungen
- Straßenatlas der Region: für die Planung von Fahrzeugrouten
- Stadtplan der eigenen Stadt oder Gemeinde: für Fußgänger-Routen und Nahbereich
- Karten von möglichen Zielorten (Verwandte, sicherer Treffpunkt außerhalb der Region)
Karten laminieren oder in wasserdichte Hüllen stecken – Regen und Feuchtigkeit sind im Krisenfall häufig. Karten regelmäßig aktualisieren, da Straßen und Infrastruktur sich ändern.
Fluchtrouten vorausplanen
Plane mindestens drei Routen von deinem Zuhause zu deinen wichtigsten Zielen:
- Primärroute: die schnellste und einfachste Route über Hauptstraßen
- Alternativroute 1: über Neben- und Landstraßen, falls Hauptstraßen gesperrt sind
- Alternativroute 2: zu Fuß oder mit dem Fahrrad, falls kein Fahrzeug verfügbar ist
Die Routen auf der Karte markieren und die wichtigsten Wegpunkte auswendig kennen. Im Krisenfall nicht auf das Gedächtnis verlassen – Stress beeinflusst die räumliche Orientierung.
Treffpunkte definieren
Lege mit deiner Familie mindestens zwei Treffpunkte fest: einen in der Nähe des Zuhauses (für schnelle Evakuierungen, z.B. Nachbarshaus oder Schule) und einen außerhalb der Wohnregion (für Szenarien, in denen die ganze Region betroffen ist). Alle Haushaltsmitglieder müssen beide Treffpunkte kennen und in der Lage sein, sie ohne Smartphone zu finden.
Kompass und Navigation ohne Technik
Ein einfacher Marschkompass ist günstig (10 bis 30 Euro) und äußerst zuverlässig. Zusammen mit einer topografischen Karte ermöglicht er die Navigation auch außerhalb von Straßen. Grundlegende Kompassnavigation – Karte einrichten, Peilungen nehmen, Marschrichtung bestimmen – ist in einem halben Tag lernbar. Kurse werden von Bundeswehr, Pfadfindern und Wandervereinen angeboten.
Praktische Checkliste Routenplanung
- Topografische Karte 1:50.000 der eigenen Region
- Straßenatlas und Stadtplan
- Alle Karten laminiert oder in wasserdichter Hülle
- Drei Routen (Primär, Alternativ, Fuß/Rad) vorausplanen und markieren
- Zwei Treffpunkte mit der Familie vereinbaren
- Marschkompass anschaffen und Grundnavigation lernen
- Offline-Karten-App (Maps.me oder OsmAnd) auf dem Smartphone installieren
Häufige Fragen zur Routenplanung im Krisenfall
Die Landesvermessungsämter der einzelnen Bundesländer verkaufen offizielle topografische Karten (1:25.000 oder 1:50.000). Diese gibt es in gut sortierten Buchhandlungen, Outdoorgeschäften oder direkt online beim Landesvermessungsamt. Alternativ: OpenStreetMap-basierte Karten können kostenlos ausgedruckt werden.
Ja, GPS selbst funktioniert unabhängig vom Mobilfunknetz – es nutzt Satellitensignale. Aber die Kartenanzeige auf dem Smartphone benötigt entweder Mobilfunk (Online-Karten) oder vorab heruntergeladene Offline-Karten. Eine Navigations-App mit offline gespeicherten Karten (OsmAnd, Maps.me) funktioniert auch ohne Netz, solange der Akku hält.
OsmAnd (Android und iOS) ist die umfangreichste kostenlose Offline-Karten-App mit topografischen Optionen. Maps.me ist einfacher zu bedienen und gut für Straßen. Für topografisches Gelände: Locus Map (Android) oder Gaia GPS (iOS, kostenpflichtig). Karten für die eigene Region und geplante Alternativrouten vorab herunterladen.
Ausgangspunkt und Ziel auf der topografischen Karte markieren. Route über Feldwege, Radwege und wenig befahrene Straßen planen, um Staus und Konflikte zu meiden. Höhenmeter beachten: bergauf verlangsamt, besonders mit schwerem Rucksack. Realistische Tagesleistung zu Fuß mit Gepäck: 15 bis 25 Kilometer. Wasserquellen und potenzielle Rastplätze auf der Route notieren.
Konkret und praktisch: den Weg zum Treffpunkt gemeinsam abgehen. Landmarken benennen, die das Kind kennt: „Geh bis zur großen Kastanie, dann links“. Treffpunkte auf einer einfachen Handzeichnung für das Kind einlaminieren. Regelmäßig üben – nicht als Angst-Übung, sondern als Abenteuer. Kinder, die den Weg kennen, sind im Ernstfall ruhiger und handlungsfähiger.
