Notstrom im Krisenfall ist für viele Haushalte die Lücke zwischen einem kurzen Stromausfall und einer echten Krise. Während Powerstations für den Krisenfall und Solar Generatoren für den Krisenfall für den kurzfristigen Bedarf gut geeignet sind, gibt es Situationen, in denen eine dauerhaftere oder leistungsstärkere Notstromversorgung notwendig wird: bei mehrtägigem Blackout im Winter, bei medizinischen Geräten mit hohem Strombedarf oder bei der Absicherung ganzer Haushalte. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über alle relevanten Notstromlösungen vom einfachen Powerbank bis zum stationären Notstromaggregat.
Die vier Notstromebenen
Ebene 1: Powerbanks und kleine Akkus
Für Smartphones, Taschenlampen und kleine Verbraucher. Günstig, kompakt, im Alltag nutzbar. Kapazität: 10.000 bis 30.000 mAh (37 bis 111 Wh). Reicht für 2 bis 5 Smartphone-Ladungen. Keine Haushaltssteckdose, kein 230-Volt-Ausgang. Ideal als Basisausstattung für jeden Haushalt.
Ebene 2: Portable Powerstations
Tragbare Lithium-Akkus mit 200 bis 3.000 Wh Kapazität und 230-Volt-Ausgängen. Können Router, Laptops, Beleuchtung, kleine Heizgeräte und medizinische Geräte versorgen. Mit Solarpanel kombinierbar für autonomen Dauerbetrieb. Die Standardlösung für die meisten Haushalte. Alle Details dazu im Beitrag zur Energievorsorge im Krisenfall.
Ebene 3: Benzin- oder Dieselaggregat
Klassische Notstromaggregate liefern 1.000 bis über 10.000 Watt Dauerleistung und können Heizungspumpen, Kühlschränke, Werkzeug und große Verbraucher betreiben. Vorteile: hohe Leistung, günstig in der Anschaffung, Kraftstoff lagerbar. Nachteile: Abgase (ausschließlich im Freien betreiben), Lärm, regelmäßige Wartung, Treibstoffvorrat notwendig.
Ebene 4: Stationäre Hausbatteriesysteme
Große, fest installierte Lithium-Speicher (10 bis 30 kWh und mehr), oft in Kombination mit Photovoltaikanlage. Ermöglichen mehrtägige Autarkie ohne externe Energiequelle. Hohe Investition, aber dauerhafter Schutz gegen Blackouts. Für Eigenheimbesitzer die langfristig sicherste Lösung.
Notstromaggregat: worauf achten?
- Leistung realistisch kalkulieren: Anlaufstrom von Motoren ist 2 bis 3-mal höher als Nennleistung
- Nur im Freien oder in gut belüfteten Räumen betreiben: Kohlenmonoxidvergiftung ist eine ernste Gefahr
- Niemals direkt ins Hausnetz einspeisen ohne Umschalter: Rückspeisung ins Netz ist lebensgefährlich
- Regelmäßige Wartung: Aggregat alle 6 bis 12 Monate testen und Kraftstoff frisch halten
- Kraftstoffvorrat für mindestens 72 Stunden Betrieb einplanen
- Inverter-Aggregate für empfindliche Elektronik bevorzugen
Solarstrom als dauerhafte Notstromquelle
Portable Solarpanele in Kombination mit einer Powerstation sind die leiseste, schadstofffreie und langfristig günstigste Notstromlösung. Ein 200-Watt-Panel lädt eine 1.000-Wh-Powerstation bei guter Sonneneinstrahlung in 5 bis 8 Stunden. Im Winter ist die Leistung reduziert – daher im Winter größere Kapazität einplanen.
Notstrom für medizinische Geräte
Wer auf strombetriebene medizinische Geräte angewiesen ist, hat besondere Anforderungen. CPAP-Geräte, Insulinpumpen, Heimdialysegeräte und Beatmungsgeräte brauchen zuverlässige, saubere Sinuswellen-Spannung. Mit dem behandelnden Arzt und dem Gerätehersteller vorab klären: Welche Leistung benötigt das Gerät? Verträgt es modifizierte Sinuswelle? Wie lange muss die Notstromversorgung überbrücken?
Praktische Checkliste Notstromversorgung
- Bedarf ermitteln: Welche Geräte müssen im Notfall laufen?
- Gesamtleistung aller kritischen Verbraucher addieren
- Powerstation mit ausreichend Kapazität (mind. 1.000 Wh für Basisbedarf)
- Solarpanel als Nachlademöglichkeit
- Für hohen Leistungsbedarf: Inverter-Aggregat mit Kohlenmonoxidsensor
- Kraftstoffvorrat für 72 Stunden
- Aggregat niemals ohne Umschalter ins Hausnetz einspeisen
- Regelmäßigen Testlauf einplanen
Häufige Fragen zum Notstrom im Krisenfall
Das hängt vom geplanten Betrieb ab. Für Grundversorgung (Licht, Handy, Radio, kleiner Ventilator): 200 bis 500 Watt. Für Heizungspumpe und Kühlschrank zusätzlich: 1.000 bis 2.000 Watt. Für Elektroheizung oder Waschmaschine: 2.000 bis 3.500 Watt. Anlaufstrom bei Motoren 2- bis 3-fach höher als Nennleistung beachten.
Nein, niemals direkt. Ohne Trennschalter würde Strom ins öffentliche Netz rückgespeist und Techniker in Lebensgefahr bringen. Wer Teile des Hausnetzes mit einem Aggregat versorgen will, muss einen zugelassenen Netztrennschalter einbauen lassen – das macht ein Elektriker.
Eine Powerstation ist ein aufladbarer Akku mit eingebautem Wechselrichter. Sie ist leise, abgasfrei, wartungsarm und für den Innenbereich geeignet. Ein Notstromaggregat verbrennt Treibstoff und liefert solange Strom, wie Kraftstoff vorhanden ist. Hohe Dauerleistung, aber Abgase, Lärm und Wartungsaufwand. Beide ergänzen sich sinnvoll.
Normales Benzin ist in einem verschlossenen, zugelassenen Behälter 3 bis 6 Monate lagerstabil. Mit Kraftstoffstabilisator verlängert sich die Haltbarkeit auf 1 bis 2 Jahre. Diesel ist stabiler: 6 bis 12 Monate problemlos, mit Additiven bis zu 2 Jahre. Kraftstoff kühl, dunkel und fern von Zündquellen lagern.
Für Eigenheimbesitzer ja – eine PV-Anlage mit Heimspeicher ist die langfristig günstigste und zuverlässigste Notstromlösung. Im Krisenfall kann ein Blackout-fähiger Wechselrichter den Haushalt vom Netz trennen und autonom versorgen. Wichtig: Nicht jeder Wechselrichter unterstützt Inselbetrieb – beim Kauf explizit darauf achten.
