Mobilität und Fluchtwege im Krisenfall sind entscheidend, wenn die eigene Wohnung oder Region nicht mehr sicher ist. Wer seine Optionen kennt, seine Fluchtwege vorausgedacht hat und mehrere Fortbewegungsmöglichkeiten einplant, ist auch dann handlungsfähig, wenn Straßen blockiert sind oder das Fahrzeug ausfällt. Der Fluchtrucksack (BOB) für den Krisenfall ist dein wichtigster Begleiter auf jedem Fluchtweg. Alles über dein Fahrzeug als Fluchtoption erklärt unser Beitrag zum Fluchtfahrzeug (BOV) für den Krisenfall.
Das Grundprinzip: mehrere Optionen haben
Wer nur auf ein Fortbewegungsmittel setzt, ist verwundbar. Ein solider Mobilitätsplan basiert auf drei Ebenen: Fahrzeug, Fahrrad und zu Fuß. Jede Ebene hat ihre eigene Reichweite, ihre eigene Geschwindigkeit und ihre eigenen Anforderungen.
Mit dem Auto fliehen
Das Auto ist bei größeren Distanzen die schnellste Option. Voraussetzungen:
- Tank immer mindestens halbvoll halten
- Reservekanister mit 10 bis 20 Litern Kraftstoff als Backup
- Reifenzustand regelmäßig prüfen, Reserverad und Wagenheber mitführen
- Mindestens drei Routen aus der Region kennen und auf Karte markiert haben
- Früh aufbrechen: wer als erster auf der Straße ist, entgeht dem größten Stau
- Analoge Karte mitführen – GPS und Smartphone fallen bei Stromausfall aus
Mit dem Fahrrad fliehen
Das Fahrrad benötigt keinen Kraftstoff, kommt durch enge Wege und Sperren und ist leise. Realistische Tagesleistung mit Gepäck: 60 bis 100 Kilometer.
Zu Fuß fliehen
Zu Fuß ist die langsamste, aber unabhängigste Option. Realistische Tagesleistung mit vollem Rucksack: 15 bis 25 Kilometer. Topografische Karte und Kompass sind unverzichtbar – alles zur Routenplanung in unserem Beitrag zu Routenplanung & Kartenmaterial für den Krisenfall.
Fluchtwege planen
Fluchtwege sollten für alle drei Transportmodi vorausgedacht sein. Für jedes Ziel mindestens zwei Routen planen:
- Primärroute: schnellste Route über Hauptstraßen
- Alternativroute: über Neben- und Landstraßen, Feldwege
- Fußroute: abseits von Straßen, über Wege und Pfade
Besondere Situationen
Kinder und vulnerable Personen
Mit Kindern und mobilitätseingeschränkten Personen reduziert sich die Geschwindigkeit erheblich. Kindersitze im Auto, Kindersitz auf dem Fahrrad oder Lastenrad einplanen.
Haustiere
Haustiere gehören in die Fluchtplanung. Transportbox für Katzen und kleine Hunde. Futtervorrat und Wasserbehälter für das Tier im Fluchtrucksack einplanen.
Praktische Checkliste Mobilität & Fluchtwege
- Tank immer mindestens halbvoll, Reservekanister im Auto
- Fahrrad in einsatzbereitem Zustand mit Gepäckoption
- Gutes Schuhwerk für Fußmarsch im Fluchtrucksack
- Mindestens drei Fahrzeugrouten und eine Fußroute vorausplanen
- Analoge, laminierte Karte mit markierten Routen
- Treffpunkte nah und fern mit der Familie vereinbaren
- Mobilitätsplan für Kinder, ältere Personen und Haustiere
Häufige Fragen zu Mobilität und Fluchtwegen im Krisenfall
Bleiben ist in den meisten Fällen die bessere Wahl. Fliehen ist besser bei: konkreter unmittelbarer Gefahr (Brand, Überschwemmung), offizieller behördlicher Evakuierungsanweisung oder völlig unzumutbaren Bedingungen. Im Zweifel: auf Behördenanweisungen hören.
Ein normaler Erwachsener schafft mit einem 15-kg-Rucksack auf flachem Gelände 20 bis 30 Kilometer pro Tag. Mit mehr Gewicht, Kindern oder älteren Personen deutlich weniger: 10 bis 15 Kilometer. Realistische Planung ist besser als optimistische.
Zur Alternativroute wechseln. Wenn auch die Alternative blockiert ist: anhalten, Lage einschätzen, Radio einschalten für aktuelle Informationen. Niemals durch Überschwemmungswasser oder über instabile Brücken fahren.
Bedingt. Ein E-Bike vergrößert die Tagesreichweite erheblich. Aber bei Stromausfall kann der Akku nicht nachgeladen werden. Wer ein E-Bike einplant, sollte auch ohne Unterstützung damit fahren können.
Einmal jährlich die wichtigsten Routen gemeinsam abfahren oder abgehen. Treffpunkte nah und fern gemeinsam aufsuchen. Den Fluchtrucksack einmal wirklich tragen – damit alle wissen, was drin ist und wie schwer er ist.