Notfall-Apotheke

Eine Notfall-Apotheke in der Krisenvorsorge sichert die medizinische Grundversorgung, wenn ärztliche Hilfe ausbleibt. Dieser Beitrag zeigt, welche Medikamente und Hilfsmittel unbedingt dazugehören.

Eine Notfall-Apotheke in der Krisenvorsorge ist mehr als ein aufgerüsteter Verbandkasten. Bei einem großflächigen Blackout oder einer Katastrophe kann die medizinische Versorgung stunden- oder tagelang ausfallen. In diesem Zeitfenster müssen Wunden versorgt, Fieber gesenkt, Schmerzen gelindert und chronische Erkrankungen weiterbehandelt werden können. Eine gut bestückte Notfall-Apotheke gehört in jeden Fluchtrucksack (BOB) für den Krisenfall und auch ins stationäre Zuhause. Die Kopien aller wichtigen medizinischen Unterlagen solltest du zusammen mit den anderen wichtigen Dokumenten für den Krisenfall aufbewahren.

Die Grundlage: der Verbandkasten

Der gesetzlich vorgeschriebene Verbandkasten nach DIN 13157 (für den Haushalt) ist der Ausgangspunkt. Für die Krisenvorsorge muss er ergänzt werden – er ist nicht für mehrtägige Versorgung ohne ärztliche Hilfe ausgelegt.

Wundversorgung und Blutstillung

  • Sterile Kompressen verschiedener Größen (5×5 cm, 10×10 cm)
  • Hämosterile Verbandmaterialien (z.B. QuikClot oder Celox) für starke Blutungen
  • Tourniquet (CAT oder RATS) und Kenntnis seiner Anwendung
  • Druckverbandpäckchen (israelischer Verband)
  • Wunddesinfektionsmittel: Octenisept oder Betaisodona
  • Heftpflaster in verschiedenen Größen, Wundverschlussstreifen (Steri-Strips)

Medikamente für die Hausapotheke

  • Schmerzmittel: Ibuprofen 400 mg und Paracetamol 500 mg (abwechselnd anwenden)
  • Antidiarrhoikum: Loperamid (Imodium)
  • Antihistaminika: Cetirizin oder Loratadin
  • Magenmittel: Pantoprazol oder Omeprazol, Aktivkohle bei Vergiftungsverdacht
  • ORS-Pulver (Oral Rehydration Salts): für Dehydrierung durch Durchfall oder Erbrechen
  • Wundsalbe: Bepanthen oder vergleichbar für leichte Infektionen

Persönliche Medikamente: kritischer Posten

Wer regelmäßig verschriebene Medikamente nimmt, muss einen Vorrat von mindestens 30 Tagen anlegen. Mit dem Hausarzt über Langzeitrezepte oder Notfallrezepte für die Krisenvorsorge sprechen.

Instrumente und Hilfsmittel

  • Digitales Fieberthermometer
  • Blutdruckmessgerät (mit Batteriebetrieb)
  • Pinzette (spitz, für Splitter und Fremdkörper)
  • Schere (stumpf, für Verbände)
  • Einweghandschuhe Nitril (mindestens 20 Paar)
  • Mundschutz FFP2 (mindestens 10 Stück)

Lagerung der Notfall-Apotheke

Kühl, trocken und dunkel – die Standardregeln für Medikamente. Ein fester, verschließbarer Behälter an einem festen Ort, den alle Haushaltsmitglieder kennen. Haltbarkeitsdaten regelmäßig prüfen.

Praktische Checkliste Notfall-Apotheke

  • Verbandkasten DIN 13157 als Basis
  • Zusätzliche sterile Kompressen und Wundauflagen
  • Tourniquet und hämosterilisches Material
  • Wunddesinfektionsmittel (Octenisept)
  • Ibuprofen, Paracetamol, Loperamid, Antihistaminikum
  • ORS-Pulver und Aktivkohle
  • Persönliche Medikamente für mindestens 30 Tage
  • Fieberthermometer und Blutdruckmessgerät
  • Einweghandschuhe und Mundschutz

Häufige Fragen zur Notfall-Apotheke in der Krisenvorsorge

Mit dem Hausarzt über Krisenvorsorge sprechen und um ein 90-Tage-Rezept oder ein Notfallrezept bitten. Alternativ: das laufende Rezept früher einlösen und so schrittweise einen Puffer aufbauen.

Nicht gleichzeitig, aber abwechselnd. Beide haben unterschiedliche Wirkmechanismen und können im Wechsel genommen werden. Ibuprofen nicht bei Magenproblemen oder Nierenerkrankungen. Paracetamol nicht bei Lebererkrankungen. Dosierungshinweise beachten.

Octenisept ist gut verträglich, nicht färbend und gewebeschonend – für frische Wunden die erste Wahl. Betaisodona ist kräftiger desinfizierend, färbt gelb-braun und kann bei längerem Kontakt Gewebe schädigen. Für den Alltag Octenisept, für stark kontaminierte Wunden auch Betaisodona geeignet.

Angebrochenes Insulin kann bei Raumtemperatur (unter 25 Grad) bis zu 4 Wochen aufbewahrt werden. FRIO-Insulin-Kühlbeutel nutzen Verdunstungskälte und funktionieren ohne Strom. Mit dem behandelnden Arzt vor der Krise besprechen.

Ja, als Notfallmaßnahme bei Vergiftungsverdacht durch Lebensmittel oder Chemikalien. Nur bei bewussten Personen anwenden, nicht bei Laugen- oder Säurevergiftungen. Dosierung: 1 g pro Kilogramm Körpergewicht.

Quellen