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Stromausfall Statistik: 2 Millionen Meldungen ausgewertet

Die amtliche Stromausfall Statistik für Deutschland nennt eine beruhigende Zahl: rund zwölf Minuten pro Jahr. So lange ist ein durchschnittlicher Anschluss nach Angaben der Bundesnetzagentur ohne Strom. Das klingt nach einem Problem, das keines ist. Der Wert ist allerdings ein Mittel über alle Anschlüsse in Deutschland, und die allermeisten davon haben in einem Jahr überhaupt keine Unterbrechung. Wen es tatsächlich trifft, für den sieht die Rechnung völlig anders aus. Wir haben die Rohdaten der Bundesnetzagentur ausgewertet, alle Einzelmeldungen der Berichtsjahre 2013 bis 2024, insgesamt rund zwei Millionen gemeldete Unterbrechungen. Das Ergebnis: Die Mitte liegt bei hundert Minuten, nicht bei zwölf. Wie lange Ausfälle wirklich dauern, wodurch sie entstehen und wann sie auftreten, kannst du unten selbst durchklicken.

Jede Zeile dieser Auswertung ist eine gemeldete Stromunterbrechung von mehr als drei Minuten. Die Bundesnetzagentur sammelt sie seit Jahren als Rohdaten. Hier sind sie ausgewertet.

Datengrundlage Bundesnetzagentur, Einzelstörungsdaten der gemeldeten Versorgungsunterbrechungen Strom, Berichtsjahre 2013 bis 2024. Erfasst sind Unterbrechungen ab drei Minuten Dauer in Nieder- und Mittelspannung. Die Meldungen sind anonymisiert und enthalten keine Orts- oder Netzbetreiberangabe. Auswertung von rund 2,0 Millionen Einzelmeldungen durch sei-vorbereitet.de.

Zwölf Minuten oder hundert Minuten

Beide Zahlen stimmen, sie messen nur Verschiedenes. Der SAIDI verteilt die gesamte Ausfallzeit rechnerisch auf alle Letztverbraucher im Land. Für die Netzregulierung ist das sinnvoll, denn er zeigt, wie zuverlässig das System als Ganzes arbeitet. Für deine Vorsorgeplanung taugt er nicht, weil du kein Durchschnitt bist. Für dich zählt die Frage, wie lange es dauert, wenn es dich erwischt.

Genau darauf antworten die Einzeldaten. Im Jahr 2024 dauerte die Hälfte aller ungeplanten Störungen länger als hundert Minuten. Jede fünfte lief über vier Stunden, jede sechzehnte über acht Stunden. 481 Meldungen erstreckten sich über mehr als einen Tag. Vier Stunden sind dabei die Schwelle, ab der es praktisch wird: Ab hier wird der Kühlschrank zum Thema, im Winter die Wohnungstemperatur und bei Pflegebedürftigen die Stromversorgung medizinischer Geräte.

Die Mehrheit der Abschaltungen ist angekündigt

Der überraschendste Befund der Auswertung: Von den 164.770 Unterbrechungen des Jahres 2024 waren 98.238 geplant, also rund sechzig Prozent. Netzbetreiber schalten für Wartung, Umbauten und Anschlussarbeiten ab und kündigen das vorher an, meist per Aushang oder Brief.

Das ist eine gute Nachricht und ein Hinweis zugleich. Gut, weil der häufigste Fall vorhersehbar ist. Ein Hinweis, weil geplante Abschaltungen im Median ähnlich lange dauern wie ungeplante, nämlich 108 Minuten. Wer den Aushang im Hausflur übersieht, steht genauso im Dunkeln. Der erste Praxistest deines Vorrats kommt also mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht durch einen Sturm, sondern durch eine Baustelle zwei Straßen weiter.

Der Sommer bringt mehr Störungen als der Winter

Die verbreitete Vorstellung ist der Schneesturm, der Leitungen niederdrückt. Die Daten zeichnen ein anderes Bild. Die meisten ungeplanten Störungen fallen auf Juni und Juli, die wenigsten auf Dezember. Zwischen Spitze und Tiefpunkt liegen rund vierzig Prozent.

Die Erklärung ist unspektakulär. Im Sommer wird gebaut, und Bagger treffen Kabel. Gewitter mit Blitzschlag und Starkregen häufen sich. Hitze belastet Transformatoren und Kabelisolierungen zusätzlich. Für die Vorsorge heißt das: Ein Notvorrat, den du erst im Oktober zusammenstellst, verpasst die kritischste Jahreszeit. Ähnlich verhält es sich mit dem Hochwasser, das ebenfalls nicht auf den Winter beschränkt ist.

Wetter erklärt weniger, als alle denken

Bei den ungeplanten Störungen 2024 verteilen sich die Anlässe so:

  • Zuständigkeitsbereich des Netzbetreibers, also Technik, Alterung und Defekte: 56,5 Prozent
  • Einwirkung Dritter, im Wesentlichen Bauarbeiten und Bagger: 33,4 Prozent
  • Atmosphärische Einwirkung, also Sturm, Blitz, Eis: 7,2 Prozent
  • Höhere Gewalt, also Extremereignisse: 1,5 Prozent
  • Rückwirkstörung aus vorgelagerten Netzen: 1,4 Prozent

Neun von zehn Ausfällen entstehen also im Netz selbst oder durch menschliches Zutun, nicht durch Wetter. Das verschiebt die Perspektive: Ein Stromausfall ist kein seltenes Naturereignis, sondern Alltagstechnik, die gelegentlich versagt. Genau deshalb lohnt sich Vorsorge auch ohne Katastrophenszenario. Was im Ernstfall konkret zu tun ist, beschreibt unser Beitrag zum Blackout.

Der Trend zeigt langsam nach oben

Über zwölf Jahre betrachtet verschiebt sich das Bild, allerdings ohne Dramatik und nicht geradlinig. Der Median der ungeplanten Störungsdauer stieg von 91 Minuten im Jahr 2013 auf 100 Minuten im Jahr 2024, mit dem Höchstwert von 103 Minuten im Jahr 2023. Der Anteil der Störungen über vier Stunden schwankt zwischen 17,6 Prozent in den Jahren 2014 und 2016 und 21,4 Prozent im Jahr 2023. Für 2024 liegt er bei 21,0 Prozent. Die beiden jüngsten Jahre sind damit die beiden schwächsten des gesamten Zeitraums, ein klarer Aufwärtstrend lässt sich aus zwei Jahren aber noch nicht ableiten.

Die Zahl der Meldungen blieb dabei weitgehend stabil zwischen 157.000 und 179.000 pro Jahr. Es gibt also nicht mehr Ausfälle als früher, aber die einzelnen dauern länger. Für die Vorsorge ist das die relevantere Entwicklung, denn die Dauer entscheidet darüber, ob ein Ausfall ein Ärgernis bleibt oder zum Problem wird.

Was die Daten nicht hergeben

Drei Grenzen solltest du kennen, bevor du die Zahlen weiterverwendest. Erstens sind die Meldungen anonymisiert: Es gibt keinen Ort, keinen Landkreis und keinen Netzbetreibernamen. Eine Karte lässt sich daraus nicht bauen. Zweitens erfasst die Statistik nur Unterbrechungen ab drei Minuten Dauer, kurze Spannungseinbrüche fehlen. Drittens enthält der Datensatz vereinzelt Extremwerte von mehreren Wochen, die aus der Meldepraxis stammen und keinen flächigen Ausfall beschreiben. Wir nennen deshalb Mediane und Perzentile statt Maximalwerten.

Häufige Fragen zur Stromausfall Statistik

Von der Bundesnetzagentur. Netzbetreiber melden nach Paragraf 52 Energiewirtschaftsgesetz jährlich alle Unterbrechungen ab drei Minuten Dauer. Die Behörde veröffentlicht diese Einzelmeldungen anonymisiert als Tabelle. Wir haben die Jahrgänge 2013 bis 2024 zusammengeführt und ausgewertet, insgesamt rund zwei Millionen Datensätze.

Weil die Meldungen anonymisiert sind. Sie enthalten Datum, Dauer, Anlass und Spannungsebene, aber keinen Ort und keinen Netzbetreibernamen. Die Bundesnetzagentur veröffentlicht Kennzahlen zusätzlich je Bundesland, allerdings mit einer Einschränkung: Netzbetreiber mit länderübergreifendem Gebiet werden dem Bundesland ihres Firmensitzes zugerechnet.

Sehr gut. Das deutsche Stromnetz gehört nach Angaben der Bundesnetzagentur zu den zuverlässigsten in Europa. Das ändert nichts an der Aussage dieser Auswertung: Zuverlässigkeit im Mittel und Dauer im Einzelfall sind zwei verschiedene Dinge. Ein seltenes Ereignis kann dich trotzdem für einen halben Tag treffen.

Die Daten legen zwei Schwellen nahe. Vier Stunden decken rund vier von fünf ungeplanten Störungen ab, dafür reichen Licht, ein Radio und eine Kochmöglichkeit. Acht Stunden decken vierundneunzig Prozent ab, dafür brauchst du zusätzlich eine Wärmequelle im Winter. Alles darüber ist seltener, aber genau dort setzt die Empfehlung des BBK für vierzehn Tage an, weil dann nicht nur der Strom fehlt, sondern auch Läden und Tankstellen ausfallen.

Ja, gern, mit Quellenangabe und Link auf diese Seite. Die zugrunde liegenden Rohdaten stammen von der Bundesnetzagentur und sind dort frei abrufbar. Für Rückfragen zur Methodik oder für die aggregierten Werte als Datei nutze bitte das Kontaktformular.

Quellen